Auf dem Einband des Dramas von Max Frisch liest man:
„`Andorra` ist eine der stärksten Herausforderungen, die seit Jahr und Tag von der deutschen Bühne ausgegangen sind." (Friedrich Torberg)
Und die Theater-AG der Geschwister-Scholl-Schule stellte sich dieser Herausforderung. Sie spielten das ernsthafte Stück, indem die Folgen von Rechtsextremismus und Vorurteilen sowie die Problematik um Schuld und der Identität des Individuums thematisiert werden.
Der Zuschauer sah sich einer schneeweißen Bühne gegenüber. Dort liegt das Land Andorra. Ein kleines, friedliches Land, das von seinen Einwohner geliebt wird. Nur allein die Schwarzen aus dem Nachbarland fürchten sie, aber auch die würden es sicher nicht wagen, Andorra anzugreifen.
In Andorra wird geweißelt, damit es geschmückt ist für den heiligen Sanktgeorgstag. Doch der Zuschauer merkt bald, dass das unschuldige Weiß nicht so Recht zu Andorra passen will.
Denn hier herrschen Vorurteile gegen Juden, obwohl man nicht wirklich etwas gegen den jüdischen Ziehsohn des Lehrers (Marc Schaumann) hat, den dieser ja vor den Schwarzen gerettet hatte. Als Einzige scheint es allerdings nur Barblin (Stefanie Baur), Tochter des Lehrers, egal zu sein, dass Andri (Benjamin Binder) Jude sein soll. Sie verloben sich sogar. Gespielt wird der Hauptprotagonist Andri von Benjamin Binder, der es schafft, während des gesamten Stückes mit unterschiedlichsten Emotionen zu beeindrucken.
Glaubhaft auch die Rechtfertigungen der Landbewohner im Vordergrund, von denen niemand wirklich weiß, wer Schuld an allem trägt. „Ich bin nicht schuld, dass es dann so gekommen ist." Mit diesen Worten blickt die Wirtin (Monica Pinca-Barth), in deren Gaststätte die Bewohner oft zusammentreffen, direkt ins Publikum. Erinnern mag sich keiner mehr daran, dass man den Juden unterstellte, nur auf Geld aus zu sein und Andri deswegen beim Tischler Prada (Florian Kuneman) keine Tischlerlehre machen durfte, sondern Kaufmann werden sollte.
Und selbst der Lehrer, der sich immer als Wahrheitssuchender bezeichnete, hat aus Verzweiflung gelogen. Denn Andri ist gar kein Jude. Nein, er ist sein eigener Sohn, dessen Mutter eine Schwarze ist. Marc Schaumann und Ulla Formhals als Senora schaffen es die Eltern Andris überzeugend darzustellen.
Der Tod von Andris Mutter, der Senora, löst den Einmarsch der Schwarzen in Andorra aus. Das Publikum ist mucksmäuschen still, als der Soldat (Toni Baldauf) zu Ruhe und Ordnung auf dem Platz ruft und jeden einzelnen mit einem schwarzen Tuch übern Kopf vortreten lässt, um den Judenschauer (David Schubert) prüfen zu lassen, ob ein Jude unter ihnen ist. Die laute Trommel und das Geschrei des Soldaten erschrecken. Schrecklich auch die Szene, in der sie Andri abführen, seine Ziehmutter (Silja Wieland) ihn noch versucht zu retten, seinen Tod aber nicht verhindern kann und die Soldaten ihn töten, weil er den Gang eines Juden hat.
Glaubhaft war übrigens auch die Begeisterung des Publikums. Und zurecht feierten die Schauspieler danach eine gelungene Premiere.
Mehr Bilder von der Theateraufführung können Sie in unserer Galerie sehen: Andorra 2009
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