Elternbeirat

Südkurier: Ein Abschied mit viel Humor

Zur Verabschiedung von Reinhard Stifel, Leiter der Geschwister-Scholl-Schule, gab es kurzweilige Reden und hervorragende Musikbeiträge. Die Gesamtschulleitung übernimmt künftig eine Frau, die von auswärts kommt. Ihr Name ist noch geheim. Bild: HanserNach 40 Jahren im Schuldienst geht Reinhard Stifel in den Ruhestand. Seine letzte Station, die Geschwister-Scholl-Schule, hat ihm einen feierlichen Abschied bereitet.

So viel Aufmerksamkeit war ihm eigentlich gar nicht recht. Reinhard Stifel fand zwar als Schulleiter immer deutliche Worte, wollte aber nicht gern im Rampenlicht stehen. Doch bei seiner eigenen Verabschiedung konnte er sich nicht gegen zweieinhalb Stunden Feier-Programm wehren - und fand dann auch Gefallen daran.

Viele Vertreter anderer Konstanzer Schulen, aus der Stadtverwaltung, der Kirchen sowie langjährige Wegbegleiter waren dabei, als dem Publikum zunächst einmal die Größe der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) vorgeführt wurde: Nur die Klassensprecher aller drei Schularten überreichten Reinhard Stifel je eine Blume. Allein diese Zeremonie dauerte mehrere Minuten lang. Dass in knapp 1600 Schülern viel Potenzial steckt, wurde auch bei den Musikbeiträgen deutlich: Chöre und Bläser lieferten Klänge auf hervorragendem Niveau.

Die Leitende Regierungsschuldirektorin Gisela Dieterle zeichnete die beruflichen Stationen von Reinhard Stifel auf humorvolle Weise nach. Der gebürtige Konstanzer machte 1966 das Abitur am Suso-Gymnasium, studierte in Gießen, Dijon und Konstanz Romanistik und Geschichte und unterrichtete zunächst Spätaussiedler. Dann wechselte Stifel nach Oberhausen. „In seiner Akte steht, er wollte die Welt sehen", sagte Dieterle lachend. Nach vielen Jahren an einem reinen Mädchengymnasium wollte der heute 64-Jährige dann zurück nach Konstanz, wo die Freundin lebte. „Ein Ländertauschverfahren für Lehrer ist kompliziert, also musste eine Heiratsurkunde her", so Dieterle. Beim dritten Versuch gelang die Versetzung, allerdings nach Stockach.

Nach sechs weiteren Versetzungsanträgen kam Reinhard Stifel 1992 an die GSS. 1997 wurde er Abteilungsleiter Gymnasium, 2005 Gesamtleiter. Dass in seiner Zeit als Schulleiter viel passiert ist, machte Bürgermeister Claus Boldt deutlich: Die Einführung der offenen Ganztagsschule, der Hausaufgabenbetreuung, des Sportprofils und der Werkrealschule, mehrere Anbauten und die energieeffiziente Fassadensanierung.

Sehr charmant charakterisierte die ehemalige GSS-Lehrerin und heutige Leiterin des Suso-Gymnasiums, Ida Fend-Richter, ihren Kollegen und wies auch auf kleine Schwächen hin. Zunächst attestierte sie ihm „jungenhaften Charme, der vor allem bei Frauen zum Einsatz kommt", um dann atemlos vorzuführen, wie hektisch das Schulleiterleben sein kann. „Wer mündlich zugesagte Termine vergisst und die schriftlich eingetragenen nicht nachschaut, ist offen für spontane Anfragen und bekommt das Kompliment, als Schulleiter immer ansprechbar zu sein", so Fend-Richter schmunzelnd. Reinhard Stifel sprach später schuldbewusst von seinem „unkonventionellen Zeitmanagement". Weitere Stärken und Schwächen des 64-Jährigen demonstrierten die Elternvertreterinnen Nicola Voigt und Elke Muffler als Engel und Teufel verkleidet. Zwei Schülervertreterinnen gaben Reinhard Stifel dann noch mit auf den Weg: „Wir erwarten Sie weiterhin bei jedem Schulmusical, bei jeder Theateraufführung, und zu unserem Abiball erwarten wir Sie auch. Wenn Sie nicht kommen, sind wir traurig." In diesen zweieinhalb Stunden wurde deutlich, dass ein sehr beliebter Schulleiter in den Ruhestand geht.

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