Studienfahrt nach KrakauDziękuję! [tschenkuje] Kraków – Danke Krakau!

Wer fährt denn schon nach Krakau? Irgendeine polnische oder russische(?) Stadt irgendwo am östlichen Rand Europas mit lauter alten armen Leuten auf Pferdewagen... Oder was?

Weit gefehlt. Solche völlig eigenartigen Vorstellungen, weiß der Kuckuck, woher die stammen, wurden binnen kürzester Zeit ad absurdum geführt. So erging es jedenfalls der 16-köpfigen Gruppe aus der Kursstufe mit ihren beiden Lehrkräften, Frau Kusche und Herrn Freudenberger.

Nach einem kurzen ruhigen Flug und unserer Ankunft im „Moon-Hostel“ im Kraukauer Stadtteil Kazimierz tauchten alle erst einmal ein in die abendliche Stimmung am Ufer der berühmten Weichsel, dort, wo sich viele Jugendliche dieser gleichzeitig altehrwürdigen und jungen und bunten Stadt tummelten. Wer hätte das noch vor der Studienfahrt gedacht: Krakau – die Metropole im Süden Polens und der Mitte(!) von Europa – ist eben nicht nur ein Ort der Geschichte, sondern auch der Moderne – mit 7 Universitäten und 12 Fachhochhochschulen und insgesamt 170.000 Studierenden aus aller Welt, aufgeschlossene und lebensfrohe junge Menschen, die das unbeschwerte Stadtleben und die kulturelle Vielfalt ausmachen.

Und so gestalteten sich die kommenden vier Tage für uns alle vor allem durch die engagierten und sachkundigen Führungen einer Krakauerin als sehr abwechslungsreich und informativ: Wir lernten unter anderem den „Rynek“ kennen, den großen Platz mit der alten Tuchhalle und der Marienkirche, den historischen Wawelhügel mit seinem Schloss und der Kathedrale, das jüdische Viertel „Kazimierz“ mit seinen sieben Synagogen und den jüdischen Restaurants und Kneipen, in denen sich abends hunderte von Jugendliche amüsieren, das Museum „Schindler Fabrik“ sowie das benachbarte ehemalige jüdische Ghetto und viele weitere kontrastreiche Ecken. Das Verbinden verschiedener Sagen und Erzählungen mit den Sehenswürdigkeiten Krakaus machte unsere Führung besonders lebendig. Daneben blieb dennoch genügend Zeit für jeden, ganz individuell in das pulsierende Krakau einzutauchen.

Unser Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers „Auschwitz-Birkenau“

Der jüdische Philosoph und Soziologe Theodor W. Adorno, der dem Holocaust entkommen und in die USA emigrieren konnte, schrieb nach seiner Rückkehr nach Deutschland in seinem Manuskript „Erziehung nach Auschwitz“ den berühmten Satz: „Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung.“

Bei unserem Besuch der Konzentrationslager Auschwitz I und Auschwitz II-Birkenau, welche seit Kriegsende als Gedenkstätten erhalten geblieben sind, erhielten wir Einblicke in die ehemaligen Baracken. In ihnen befinden sich heute Ausstellungsräume mit unzähligen Fotos von Gefangenen. Diese zeigen unter anderem die Lebensbedingungen im Lager und die Methoden des industriellen Massenmordes der Nationalsozialisten. Beim Betreten beider Lager konnte man die dort widerfahrenen Schmerzen und Erniedrigungen der Inhaftierten zumindest erahnen. Unsere fachliche Begleitung der Gedenkstätte teilte uns nicht nur Fakten und Zahlen mit, sondern gab nach und nach vielen Menschen an diesem Ort des Grauens und der Entmenschlichung durch Erzählungen ihrer Schicksale auch ein Gesicht. Auschwitz ist ein Ort, der jeden berührt und verändert zurücklässt.

Also: Wer fährt denn schon nach Krakau? – Wir jedenfalls würden es jederzeit wieder tun!